Die 10 Gebote des Stephan Eicher

Im Booklet (ja das gibt es noch) seiner neuen CD „L‘ Envolée“ präsentiert Stephan Eicher auch so etwas wie Verhaltensregeln bei der Produktion einer Scheibe auf. Das er sich selber nicht daran gehalten hat zeigen die Spieldauer von einigen Songs, welche Regel 2 schon mal ausser Kraft setzen. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf die Gebote des Stephan Eichers mit einem Versuch diese (nicht ganz ernst gemeint) besser zu verstehen.

1. Kein Snare auf der 2 und der 4!

Wer kennt sie nicht, die lästigen Soundchecks an Konzerten. „One, two, one… two“ lallen die Roadies ins Mikrofon, gefolgt von endlosen metronom-ähnlichen Schlägen aufs Snare. Diese Regel kann ich mir nur so erklären, dass Stephan Eicher älter wird und Rücksicht aufs Publikum nimmt. Weniger Snare ergo weniger Soundcheck ergo mehr Ruhe für die Zuhörer aus seiner Generation.

2. Kein Song länger als 2:59

Stephan Eicher am Eurovision? Warum nicht. Das internationale Renommee bringt er allemal mit. Und wenn man die Teilnahme-Bedingungen für den Eurovision studiert, dann heisst es darin, dass ein Song nicht kürzer als 2.50 Minuten und nicht länger als 2.59 Minuten sein darf. Stephan du bist enttarnt. Bleibt nur noch offen, für wen er an den Start geht. Heisser Tipp: Slowenien, Andora oder Frankreich.

3. Mit produzieren und ausschmücken aufhören, wenn der Song von selber läuft.

Die Tendenz zum Perfektionismus haben viele Künstler. So hat z.B. Axl Rose 9 Jahre an „November Rain“ gearbeitet (am Album „Chinese Democracy“ sogar 15). Und gerade heute, wo viele Künstler selber über das Aufnahme-Equipment verfügen, ist die Gefahr gross sich in einer unendlichen Produktionsspirale zu bewegen und schlussendllich ein Werk von „Unvollendeten“ zu hinterlassen.

4. Beim schreiben und spielen einen Anzug tragen.

Wir wussten es ja immer. Auch ein Stephan Eicher ist dem Mainstream nicht gefeilt und outet sich als Fan von Barney Stinson. Suit up!

5. Keine Junge-trifft oder verlässt-Mädchen-Lieder

Das war wohl eher ein Gebot an seine Kumpels Martin Suter und Philippe Djian, welche ja einen Grossteil der Texte von Stephan Eichers Songs schreiben. Eine Regel für andere. Sehr vernünftig, zumal es auch ein bisschen merkwürdig rüberkommt, wenn ein Mann wie Stephan Eicher den Mädchen nachtrauert und über den Schultanz sinniert.

6. Keine Balladen (habe schon genug davon…)

Eine Ballade definiert sich über seine Struktur. 3 x 8 Zeilen soll sie umfassen mit konstantem Reim-Rhythmus. ababbcbC ababbcbC ababbcbC wobei C für den Refrain steht. Da eine Ballade eine Menge an reimfähigen Wörter benötigt (b z.B. mindestens 14 verschiedene Wörter) dürfte dieses Gebot vor allem die Vereinfachung des Songwritings zum Ziel haben.

7. Bläser statt Streicher

Da Stephan Eicher gemäss Interview einen schreckhaften (oder mühsamen) Nachbarshund hat, der schon beim kleinsten Krach bellt, scheint die Wahl der Bläser über den Streichern als smarte Lösung. Die spielen zumindest so laut, dass man das Gebelle auf den Aufnahmen nicht mehr hören kann.

8. Folge deinen Instinkten und taufe sie Weisheit

Wie schon der Vater von Alt-Bundesrat Adolf Ogi meinte: „Es gibt einen Unterschied zwischen Intelligenz und Weisheit“. Wer seinen Instinkten folgt beweist Weisheit, da sich das Leben und somit auch die Musik nicht an Schulbücher hält. Der Mix aus Erfahrung und Alter nähren die Instinkte und Weisheit, welche in dem Fall wohl fliessend sind. Leute die sich lieber auf Instinkte verlassen befolgen übrigens nicht allzu gerne Regeln. Aber dazu mehr bei Gebot 10.

9. Töte deine Lieblinge

Wer sich jetzt einen Stephan Eicher vorstellt, wie er ein halbes Dutzend Hundebabies im Murtensee ersäuft, der liegt wohl falsch. Vielmehr geht es darum „Lieblingssongs“ nicht zu veröffentlichen (oder für das nächste Best-Of-Album aufzubewahren). Ein Schritt, welchem zwei Motivationen zu Grund liegen können. Man macht es einerseits aus einem gewissen Anachronismus zu gängigen Trends, um dem A&R des Labels zu ärgern oder ganz einfach um sonst irgendwie eine Duftmarke als Künstler zu hinterlassen. Oder aber die Songs, welche man selber über alles liebt, kommen bei den Testhörern nicht an. Das schmerzt und genau hier sind dann gute Instinkte gefragt. Gepaart mit Weisheit trennt man sich dann wohl oder übel von den Songs, die man selber so gut fand.

10 Es gibt kein 10. Gebot!

Endlich. Ein rechter Bohamian lässt sich doch nicht in Zwänge bevormunden. Regeln sind da um gebrochen zu werden. Und selbst wenn heute ein Stephan Eicher-Album eher ruhig daher kommt (der Nachbarshund lässt grüssen), so ist da halt immer noch ein Rest Rock’n’Roll.

Das Album „L‘ Envolée“ ist übrigens ein Genuss. Vor allem jetzt für die Winterzeit der richtige Soundtrack, um 35 Minuten die Seele baumeln zu lassen und den Tönen und Texten der begnadeten Musikern und Autoren zu lauschen. Und auch wenn die Songs nicht mehr so richtig zu der Contemporary-Programmierung der Radios passen, ist und bleibt Stephan Eicher einer der besten Schweizer Künstler.

Quelle: http://www.stephaneicher.com
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